Die deutsche Einheit – eine Zwischenbilanz

Am 3. Oktober 2005 feierte die Republik den 15. Jahrestag der deutschen Vereinigung. Festreden, Festschriften, Bücher und eine Flut von Medienberichten gingen über unser Land. Die einen betonten Fortschritte und wollten Mut machen, andere wiesen auf die insgesamt sehr problematische Lage hin. Auch an gegenseitigen Schuldzuweisen fehlte es nicht.
Wenig später war alles verweht und vergessen, andere Themen drängten nach vorne, man ging zum Tagesgeschäft über.
 

Die Probleme Ostdeutschlands sind jedoch so gravierend, dass eine ernst zu nehmende öffentliche Debatte über Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten der ostdeutschen Problemlage unabdingbar erscheint.

Denn von selbst tragendem Wirtschaftsaufschwung kann keine Rede sein: Die insgesamt viel zu schwache Wirtschaftskraft des Ostens zementiert die hohe Arbeitslosigkeit, sorgt für weitere Abwanderung vor allem von Jugendlichen und zwingt den Westen zu Transferleistungen von jährlich 90 Mrd. Euro. Das sind 4 % des westdeutschen Sozialprodukts.

In einer im Mai 2002 veröffentlichten Studie der Europäischen Union zur wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik Deutschland wird schnörkellos festgestellt, dass bis zu zwei Drittel der Wachstumsschwäche unseres Landes auf die Folgen der Vereinigung Deutschlands zurückzuführen seien. Zieht also der Osten den Westen nach unten? Oder trägt gar der Westen die Verantwortung für die Krise des Ostens und der gesamten Republik?

So oder so – die Debatte um die Zukunft der ostdeutschen Länder muss eine gesamtdeutsche Dauerdebatte sein. Dem wird sich das ost-west-forum nicht entziehen. Wir haben deshalb ein Buch mit dem Titel: „Am Ziel vorbei. Die deutsche Einheit – eine Zwischenbilanz“ herausgegriffen. 20 Experten aus Ost- und Westdeutschland haben dazu Beiträge aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Arbeit, Soziales, Wissenschaft und Kultur verfasst. Eine gelungene Zusammenstellung – mit viel Sachkenntnis und größtenteils ohne Polemik. Durch die Autorenauswahl ist es dem Verlag zudem gelungen, die Probleme aus ganz verschieden Blickwinkeln zu beleuchten und so eine faktenreiche und spannende Sammlung vorzulegen.


 

Zur Person Christoph Links:

Christoph Links wurde 1954 in Caputh bei Potsdam geboren. Von 1975 bis 1980 studierte er Philosophie und Lateinamerikanistik in Berlin und Leipzig. Anschließend war er sechs Jahre lang als Lateinamerika-Redakteur bei der „Berliner Zeitung“ und nebenberuflich als Sachbuchautor und Literaturrezensent für die Kulturzeitschrift „Sonntag“ (jetzt „Der Freitag“) tätig.

Ab 1986 arbeitete er im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar als Assistent der Geschäftsleitung. Im Dezember 1989 gründete er mit dem ch.links-Verlag (Schwerpunkt Politik und Zeitgeschichte) den ersten neuen Privatverlag in der DDR. Seit 1991 ist er Mitglied im p.e.n.-club. Von 1992 bis 2002 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Frankfurter Buchmesse. Christoph Links hat seit der Wende zahlreiche Buch- und Zeitschriftenpublikationen zur Literatur- und Zeitgeschichte herausgegeben.

 

Zur Person Rolf Reissig:

Geboren 1940 in Gelenau/Erzgebirge. Sozial- und Politikwissenschaftler.
Nach Beendigung des Studiums der Geschichte und Philosophie an der Universität Leipzig Promotion und Habilitation sowie Tätigkeit als Hochschullehrer.

1976 Parteiverfahren wegen “abweichender” und  “anarcho-syndikalistischer” Positionen.
1978 Wechsel als “Seiteneinsteiger” an die Akademie für Gesellschaftswissenschaften der SED nach Berlin. Als reformorientierter Wissenschaftler erarbeitet er gemeinsam mit Erhard Eppler und Thomas Meyer von der Grundwertekommission der SPD das SPD-SED-Dialogpapier (1987), das er danach gegen die aufbrechende Kritik der Hardliner in der SED verteidigen muss.

Im März 1990 Gründung des unabhängigen und gemeinnützigen Brandenburg-Berliner Instituts für sozialwissenschaftliche Studien (biss e. v.), das heute zu den wenigen ausseruniversitären und anerkannten sozialwissenschaftlichen Instituten in Ostdeutschland gehört. Siehe auch unter: www.biss-online.de

Regelmäßige Gastvorlesungen an der Humboldt-Universität und an der freien Universität Berlin

Jüngste Buchpublikationen:
2000: „Die gespaltene Vereinigungsgesellschaft. Bilanz und Perspektiven der Transformation Ostdeutschlands und der deutschen Vereinigung“, 2002: „Dialog durch die Mauer. Die umstrittene Annäherung von SPD und SED“,
2005: „Neue Chancen für alte Regionen? Fallbeispiele aus Ostdeutschland und Polen“ (mit Dr. Michael Thomas ) und „Mitregieren in Berlin. Die PDS (Linkspartei) auf dem Prüfstand“.