Ost-West Biografien


Ost-West-Biografien

Jeden Monat lädt das ost-west-forum zehn Teilnehmer zu einer Biografie-Runde ein auf das Gut ein. Die Idee stammt von Wolfgang Thierse und Professor Dr. Peter von Oertzen. Beide warben kurz nach der Wende öffentlich dafür, dass Menschen aus beiden Teilen Deutschlands sich zusammensetzen und sich ihre Biografien erzählen. Nur so könne die erst nach der Wende entdeckte Fremdheit zwischen Ost und West abgebaut werden.

,,Ich war Teilnehmer der Veranstaltung ‘Deutsch- deutsche Biografien’ des Ost-West- Forums vom 15.-17.2.2013 auf Gut Gödelitz. Ich war überrascht , dass die Mitglieder einer Gruppe unterschiedlichen Alters ( von 26-70 Jahren)in so kurzer Zeit so offen über ihr Leben in Ost bzw. West berichteten, über Erfolge und Mißerfolge. Ebenso war ich erfreut, mit Herrn Axel Schmidt- Gödelitz einen so engagierten Verfechter für den Erhalt von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit kennenzulernen.”Jürgen Geilfuß

Denn tatsächlich glaubten viele Menschen vor der Vereinigung, die Deutschen seien eben Deutsche – außer politisch-administrativen, technischen oder wirtschaftlichen Problemen gäbe es zwischen den Menschen in Ost und West keinerlei Hindernisse, die zu überwinden wären.
Nun, wir wurden sehr schnell eines Besseren belehrt. Unsere Lebenswege, eingebettet in die unterschiedlichen Gesellschaftssysteme, haben uns stärker geprägt als uns bewusst war. In der allgemeinen Euphorie der Wendezeit hatten Ost- und Westdeutsche sehr unterschiedliche Erwartungen. Mittlerweile ist Ernüchterung, Enttäuschung, Ablehnung und Rückzug fester Bestandteil der innerdeutschen Gefühlslage. Vor allem in Ostdeutschland haben sich Verletzungen – durch eine Vielzahl unüberlegter, ungerechter und unsensibler Entscheidungen verursacht – tief eingegraben. Die Kluft zwischen Ost und West ist heute eher tiefer und breiter geworden. Nur: Dies ist meist kein öffentliches Thema mehr, es wird eher beschwiegen oder mit dünnen Nostalgie-Shows ins Lächerliche und Oberflächliche gezogen.
Die Zusammensetzung der Runde ist das Ergebnis einer über zehnjährigen Erfahrung: Zum einen sind es Menschen, die vom Typ her Tagebuchschreiber sind, die eine gewisse Nachdenklichkeit auszeichnet. Die Hälfte kommt aus dem Osten, die andere Hälfte aus dem Westen. Frauen und Männer sollten ebenfalls gleich vertreten sein. Wir achten auf unterschiedliche Berufe, unterschiedliche Altersgruppen und unterschiedliche politische Sichten. Diese Vielfalt erzeugt ein positives Spannungsverhältnis, das die Gruppe von Freitagabend bis Sonntagmittag trägt.
Mit dem Wochenende sind verschiedene Ziele verbunden:
Wir wollen das Wissen voneinander vertiefen und dadurch auch Vorurteile abbauen. Wir wollen Toleranz einüben und uns darüber klar werden, dass es nicht nur eine Wahrheit – nämlich die unsere – gibt. Und wir wollen wieder einmal lernen, genau zuzuhören – was jemand sagt und was er meint. Um dies zu erreichen, gibt es eine eherne Regel: Die Biografien werden angehört und bleiben unkommentiert stehen. Keine Diskussion über Gut oder Böse, Richtig oder Falsch. Nur Verständnisfragen sind zugelassen.
Jeder kann also seine Erinnerungen einbringen, ohne sich nachträglich verbiegen zu müssen. Möglichst unverfälscht – aus dem Kontext seines damaligen Denkens und Handelns heraus.
Am Ende der Gesprächsrunde – am Sonntagmorgen – werden wir uns dann noch in freier Diskussion mit Gegenwart und Zukunft beschäftigen: Was sind die vor uns liegenden Probleme, die wir gemeinsam – Ost und West – zu gewärtigen haben? Und: Was können wir tun, um Demokratie, Rechtsstaat und inneren Frieden unserer Gesellschaft zu bewahren?

Teilnahme

Termine 2016

19. – 21. Februar bisher 4 Teilnehmer
15. – 17. April
20. – 22. Mai
8. – 10. Juli
7. – 9. Oktober
21. – 23. Oktober
11. – 13. November
9. – 11. Dezember

Die Biografiegespräche finden über ein ganzes Wochenende statt. Die Teilnehmer treffen sich am Freitag gegen 17 Uhr und gehen am Sonntag nach dem Mittagessen auseinander. Insgesamt nehmen an jeder Veranstaltung acht bis zehn Personen teil.

Bei Interesse an einer Teilnahme an einer Ost-Westdeutschen Biografierunde melden Sie sich bitte bei Axel Schmidt Gödelitz:
Tel.: 0176-21104962,
E-Mail: axel.goedelitz@ost-west-forum.de

Je nach Teilnehmerzahl fallen für Unterkunft und Verpflegung Kosten zwischen 200 und 250 Euro an. Die Moderation erfolgt ehrenamtlich. Reisekosten können leider nicht erstattet werden.