Werte- statt Funktionselite

Das Ost-West-Forum Gut Gödelitz e.V. ist ein überparteilicher Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, den sozialen, demokratischen Rechtsstaat, so, wie ihn die Mütter und Vater des Grundgesetzes einmal gewollt haben, zu bewahren oder auch: wiederherzustellen. Es geht uns um eine Gesellschaft, die nach außen und innen friedensfähig ist und dennoch so kreativ und dynamisch ist, dass sie sich im internationalen Wettbewerb behaupten kann.

Aus diesem Blickwinkel beurteilen wir die gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik, der Europäischen Union und der Weltgesellschaft, in die wir immer stärker eingebunden sind.

Sorgen bereitet uns der Niedergang demokratischer Überzeugungen und Verhaltensweisen in einem immer größer werdenden Teil der Bevölkerung und die Rückkehr zum nationalistischen Denken und Handeln in vielen Staaten der Welt.

Die Anzeichen und Warnsignale sind vielfältiger Natur.

Der soziale Staat zieht sich immer weiter aus wichtigen Bereichen zurück, weil er finanziell systematisch ausgehungert wird. Das bedeutet auch, dass in immer größerem Umfang sein „Tafelsilber“ verkaufen muss und damit einen Teil seiner sozialen Lenkungsmöglichkeiten verliert.

Während der Staat sich mittlerweile mit 2,1 Billionen Euro verschuldet hat, beläuft sich das Privatvermögen auf 11 Billionen Euro. Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich nimmt zu. Reiche werden immer reicher, Arme zahlreicher. Eine Funktionselite in Wirtschaft, Politik und in den Medien entfernt sich immer weiter von den Grundwerten unserer Gesellschaft – sie ist mitverantwortlich für ein völlig ungerechtes Steuersystem. Im Fall von Krisen werden nicht die Verursacher zur Verantwortung gezogen, sondern die Steuerzahler. Der zynische Satz: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste hingegen vergesellschaftet, ist mittlerweile Allgemeingut.

Die Medien sind voll von Skandalen: Korruption in Politik und Wirtschaft, gigantische Steuerhinterziehungen, riesige Bonuszahlungen an Manager – auch dann, wenn sie versagt haben.

Die Krise wird vor allem auf die kleinen Leute abgeladen.

Und: Die Politik schaut scheinbar hilflos zu.

Vor den Augen der breiten Öffentlichkeit erscheint in den Medien das Bild einer Funktionselite, die die Werte des Grundgesetzes auf eine geradezu dreiste Weise ignoriert. Zwar gibt es eine Werte-Elite in allen Bereichen der Gesellschaft, aber sie kommt in den Medien kaum vor. Skandale verkaufen sich besser, das macht Auflagen, das macht Quoten. Good news are no news – das lernt man schon als junger Journalist.

Unsere Idee ist nun,

  1. uns in allen Bereichen der Gesellschaft nach der existierenden Werte-Elite umzusehen (Beirat), und
  2. eine neue, junge Werte-Elite aufzubauen, die beruflich erfolgreich ist, sich aber gleichzeitig ihrer Verpflichtungen dieser Gesellschaft gegenüber bewusst ist.

Was sind diese Verpflichtungen?

Sie sind im Grundgesetz zu finden – im sozialen, demokratischen Rechtsstaat. Im Menschenrechtskatalog. Und in den Umweltschutzverpflichtungen.

 

Wer wird eingeladen ?

Jahr für Jahr wird ein neuer Jahrgang im Alter von 25 bis 40 Jahren eingeladen. Teilweise sind sie schon in ihren Berufen verankert, teilweise studieren sie noch, teilweise haben sie ihr Studium abgeschlossen und sind auf Jobsuche.

Sie sollen möglichst gute Zeugnisse vorweisen, das ist aber nicht das Ausschlaggebende. Wichtiger ist, ob sie sich bisher sozial engagiert haben, ob aus dem Lebenslauf sichtbar wird, dass sie mehr als nur ihre Karriere im Kopf haben.

Jeder Jahrgang besteht aus mehreren Gruppen mit jeweils 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In jeder Gruppe sollten möglichst die Erfahrungen verschiedener Segmente unserer Gesellschaft zusammenfließen. Deshalb sollen idealerweise bei jeder Gruppe möglichst jeweils zwei TeilnehmerInnen aus folgenden gesellschaftlichen Bereichen vertreten sein: Politik – Wirtschaft – Justiz – Medien – Kultur – Wissenschaft.

Der Beirat

Zur Werte-Akademie gehört ein Beirat, in dem jeweils mindestens fünf Persönlichkeiten aus den oben genannten sechs gesellschaftlichen Bereichen vertreten sind. Es sind herausragende Persönlichkeiten, die in ihren Berufen wichtige Positionen einnehmen oder einnahmen, eine untadelige Reputation haben und damit zur Werte-Elite unserer Gesellschaft zählen. Wer die Funktion eines Beirates der Werte-Akademie übernimmt, den bitten wir, folgende Aufgaben wahrzunehmen:

  1. Im eigenen Bereich neue Kandidatinnen und Kandidaten für die WerteAkademe ausfindig zu machen,
  2. Einmal jährlich einem Jahrgang als Gesprächspartner auf Gut Gödelitz zur Verfügung zu stehen,
  3. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Arbeitsplatzsuche hilfreich zur Seite zu stehen,
  4. zu helfen, Finanzierungsquellen ausfindig zu machen und
  5. als eine Art Pate denen zur Seite zu stehen, die in einer schwierigen persönlichen oder beruflichen Situation um Hilfe nachsuchen
  6. er steht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Arbeitsplatzsuche hilfreich zur Seite
  7. hilft, Finanzierungsquellen ausfindig zu machen
  8. steht als eine Art Pate denen zur Seite, die in einer schwierigen Situation (bspw. wenn sie sich beruflich in einem Umbruch oder in einer komplizierten Lage befinden) um Hilfe nachsuchen
  9. sorgt für Öffentlichkeit

 

Der Freundeskreis

Wer aus aus der praktischen Arbeit der WA ausscheidet, wechselt üblicherweise in den Freundeskreis. Aber auch andere, die unsere Arbeit schätzen und die Akademie unterstützen wollen, sind in diesem Kreis willkommen. Das bedeutet: Sie sollten uns in ihrem Wirkungskreis bekannt machen, uns – soweit es ihnen möglich ist – finanziell unterstützen und mit Vorschlägen inhaltlicher oder personeller Art zum Erfolg der WerteAkademie beitragen. Sie werden regelmäßig über unsere Arbeit informiert. Einmal jährlich wird der Freundeskreis – zusammen mit den Beiräten – zum Gedankenaustausch auf Gut Gödelitz eingeladen.

Grundkurs und Folgetreffen

Sitz der Werte-Akademie ist Gut Gödelitz. Jeder neue Jahrgang absolviert einem Grundkurs. Dieser besteht aus einer Biografierunde, in der jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin (T&T) ausführlich über sein/ihr Leben berichtet und von den anderen befragt wird. Danach behandeln wir die Frage, in welcher Gesellschaft wir idealerweise leben wollen. Darauf folgt ein Blick auf die Gesellschaft, in der wir tatsächlich leben. Am Ende folgt die Frage, ob die Werte, die für den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens unabdingbar sind, noch wirksam sind, ob die offensichtliche Lücke zwischen Verfassungsrecht und Verfassungswirklichkeit einer normalen, unabänderlichen Entwicklung einer sich verändernden Gesellschaft entspricht, oder ob tragende Grundpfeiler des sozialen, demokratischen Rechtsstaates Risse bekommen haben, die nicht mehr hinnehmbar sind. Sollte dies so sein, endet der erste Kurs mit der Frage, was wir vernünftigerweise tun können, um dieser schleichenden Aushöhlung unserer Demokratie entgegen wirken zu können.

Damit verbunden und mit Blick auf die im kommenden Jahr geplante neue Runde können die T&T zwei Themen wählen, die sie von einem Fachmann als Gesprächspartner detailliert behandelt wissen wollen.

Wir sorgen dann dafür, dass für zwei Sequenzen diese Fachleute – idealerweise aus dem Kreis der Beiräte – zur Verfügung stehen. Am Beginn jedes Kurses steht aber der Bericht der T&T über die eigene persönliche und berufliche Situation. Denn: Wer wertebewusst lebt und arbeitet, wird immer wieder auch auf Probleme stoßen. Diese wollen wir immer aufs Neue gemeinsam analysieren und den Versuch unternehmen, praktische Lösungen zu finden.

Wer den ersten Kurs durchlaufen hat, kann sich den Kurs und das behandelnde Thema für das nächste Jahr aussuchen. Es gibt keine geschlossenen Runden, die in der ursprünglichen Konstellation immer wieder zusammenfinden. Das hat zwei praktische Vorteile: Zum einen ist der eine oder die andere an dem für das kommende Jahr gemeinsam vereinbarten Termin plötzlich verhindert. Man kann dann auf einen anderen Termin ausweichen, muss also nicht ein ganzes Jahr aussetzen. Zum anderen lernen sich auf diese Weise die Jahrgänge der WerteAkademie untereinander kennen.

Grundsätzlich kommunizieren die Mitglieder zwischen den Jahren, informieren sich über wichtige Veranstaltungen oder helfen sich solidarisch bei der Lösung des einen oder anderen Problems. Diese Kommunikation findet über ein der Öffentlichkeit nicht zugängliches Portal im Internet statt.

Vernetzung

Aus unserer Sicht müssen wir mit der Vernetzung all jener beginnen, die diesen gesellschaftlichen Niedergang nicht wollen und in ihren eigenen Lebens- und Arbeitsbereichen andere, sichtbare Akzente setzen. Die also Vorbilder sind. Diese Maxime gilt sowohl für die Teilnehmer & Teilnehmerinnen der Lehrgänge, als auch für die Mitglieder des Beirates und des Freundeskreises.

Vernetzen heißt: Sich kennen, kommunizieren, sich gegenseitig helfen.

Vernetzen heißt auch: Nicht nur merken, sondern auch machen. Gegenpositionen formulieren, publizieren und alles tun, um sie gesellschaftlich – mit legalen Mitteln – durchzusetzen.

Konkrete Schritte sollen in Arbeitsgruppen entwickelt werden. Die Ergebnisse werden in den einzelnen Jahrgängen diskutiert, verbunden mit dem Versuch, sie praktisch umzusetzen.

 

Finanzierung der Werte-Akademie

Die Werte-Akademie ist ein Teil des Ost-West-Forums. Das Forum ist bestrebt, keine finanziellen Zuwendungen zu suchen, die Abhängigkeiten schaffen. Das gilt sowohl für politische Parteien, als auch für bestimmte Lobbygruppen, Unternehmen und Banken. Genauer: Institutionen, die ganz offensichtlich Werte verletzen – beispielsweise Banken, die mit Nahrungsmitteln spekulieren oder bei der Steuerhinterziehung behilflich sind – scheiden als potentielle Sponsoren von vornherein aus.

Wir leben vor allem von unseren Mitgliederbeiträgen, von Strafgeldern, die wir von Gerichten und Staatsanwaltschaften erhalten und einzelnen Sponsoren, deren Integrität nicht infrage gestellt wird.

Darüber hinaus bitten wir bei den meisten unserer Projekte um Teilnehmer-Beiträge. Das gilt auch für die WerteAkademie, wo pro Teilnehmer und Jahr 250,00 Euro Teilnahmegebühren kalkuliert werden. Wer das noch nicht leisten kann, dem ermöglichen wir Ratenzahlungen oder suchen einen Sponso

 

Nicht nur merken, sondern auch machenUnser Motto