„Häuserlandschaften – Malerei“ 47. Kunstausstellung des „ost-west-forum Gut Gödelitz e. V.“ mit Arbeiten des Künstlers Karlheinz Münzner

Eröffnung am 16. März 2019 um 18.00 Uhr als Vorprogramm zum Thema „Wohnungspolitik in Ballungszentren“ mit dem Berliner Städteplaner Dr. Andrej Holm Laudatio: Prof. Dr. Wendelin Szalai
Karlheinz Münzner© Privat

Karlheinz Münzner© Privat

Biografisches:

Karlheinz Münzner wurde 1940 in der sächsischen Kleinstadt Geringswalde geboren. Zwei Jahre später  zog seine Familie  in die nahe sächsische Kleinstadt Leisnig um. Und in Leisnig lebt Karlheinz Münzner seit nunmehr 77 Jahren. Bis 1990 arbeitete er als Maschinenfräser im Apparatebau Leisnig. Von 1974 bis 1986 besuchte er an Wochenenden die Förderklasse Malerei und Grafik im Leipziger Bezirkskabinett für Kulturarbeit. In diesen Jahren hatte er prägende Begegnungen mit verschiedenen Künstlern. Auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Rolf beeinflusste ihn. Der ist akademisch ausgebildeter Künstler und hat lange als Professor für Grafik in Leipzig gelehrt.

Der Autodidakt Karlheinz Münzner hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist zu einem erfolgreichen, anerkannten Künstler geworden. Arbeiten von ihm waren bereits auf vielen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zu sehen, so in Altenburg und Berlin, in Dresden und Chemnitz, in Leisnig und Leipzig, in Recklinghausen und Halle, in Brno und Plovdiv.

Und jetzt kommt Gödelitz dazu. Zahlreiche Kunstsammlungen besitzen Arbeiten von ihm. In seiner Gödelitzer Ausstellung zeigt Karlheinz Münzner vor allem Häuser und Häusergruppen. Er malt konkret und gegenständlich, aber nicht naturalistisch. Er abstrahiert bei seinen Motiven, beschränkt sich auf das für ihn Wesentliche. Er malt kleinere und intakte Häuser, keine Hochhäuser und keine Ruinen. Die klaren Formen und Farben fallen auf. Der Maler bevorzugt Grundformen wie Rechteck und Dreieck. Mit einer Perspektive sowie mit Licht und Schatten gestaltet er Räume. Seine Bilder wirken überschaubar, ruhig, angenehm, warm und freundlich.

© Privat

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Karlheinz Münzner malt mit Vorliebe Bäume, Häuser, Landschaften seines Ortes, seiner Umgebung. Der Künstler ist hier zu Hause, bei sich, daheim. Hier wird er ohne Erklärung angenommen und verstanden. Er kennt und versteht den Ort, die Landschaft und die Leute.

Er ist bodenständig und ein „Heimatmaler“ im besten Sinne des Wortes. Aber er malt   Häuser, Straßen, Plätze seiner nahen Heimat nicht naturalistisch ab. „Sonst wäre ich nur ein menschlicher Kopierer…Ich möchte mit meinen Bildern etwas sichtbar machen!“

Die Betrachter sollen in seinen Bildern mehr sehen können als auf ihnen zu sehen ist. Dabei, sagt Karlheinz Münzner, denkt er beim Malen nicht an die späteren Betrachter seiner Arbeiten. „Beim Malen bin ich der einsamste Mensch überhaut“ betont er. Manche seiner Bildmotive  malt er mehrfach. Aber die Bilder  unterscheiden sich  dann nach Blickwinkel und Perspektive, nach der Kombination von Formen und Flächen, nach Farben, nach Licht und Stimmung. Dieser Maler ist auf Spaziergängen und Wanderungen oft und aufmerksam unterwegs. Er beherrscht die Kunst des Sehens. Das ist mehr als die Fähigkeit sehen zu können. Je nach Jahreszeit und Wetter, nach Lichtverhältnissen, nach eigener innerer Befindlichkeit sieht er bekannte Motiven immer wieder anders, immer wieder neu, sieht er in ihnen Neues.

Karlheinz Münzner besitzt ein ausgeprägtes Gespür für Harmonie und Schönheit. Er möchte Harmonisches und Schönes erhalten und bewahren. Mit Unverständnis und Trauer reagiert er, wenn in seinem Heimatort ohne Absprache mit den Bürgern alte schöne Häuser abgerissen oder alte Bäume gefällt werden. Er beklagt die Vernachlässigung ländlicher Gegenden. In Kleinstädten und Dörfern stehen Häuser leer. Es fehlen die Menschen als Bewohner und Benutzer. In einer auf Profit und finanziellen Gewinn orientierten Gesellschaft muss sich alles materiell und finanziell  rechnen. Leerstehende Häuser rechnen sich nicht mehr. Sie verfallen oder werden abgerissen, egal wie alt und wie schön sie sind. Ganz gegensätzlich ist die Situation in den Großstädten, wo immer mehr Menschen leben. Hier fehlen die Häuser, fehlen Wohnungen. Da sich auch hier alles rechnen muss, fehlen vor allem bezahlbare Wohnungen.

In seinen Bildern gibt Karlheinz Münzner seinen inneren Empfindungen von Harmonie und Schönheit einen äußeren künstlerischen Ausdruck. Schönheit hat für ihn  nichts mit verklärender Dekoration zu tun, nichts mit kitschiger Postkartenidylle, nichts mit verlockender und manchmal auch  verlogener Touristenwerbung. Seine Bilder wirken durch ihre innere, ehrliche, schlichte Schönheit. Karlheinz Münzner ist so etwas wie ein „sachlicher Romantiker“. Dabei passen die Begriffe sachlich und romantisch eigentlich gar nicht zusammen.

© Privat

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Aber der Titel seiner Gödelitzer Ausstellung besteht auch aus einer ungewöhnlichen Wortkombination: „Häuser – Landschaften“. Mit dem Wort Landschaft verbindet man gewöhnlich Bäume, Wälder, Wiesen, Berge, Gewässer. Landschaften sind etwas Gewachsenes, sie stehen für Natur. Mit dem Wort Häuser verbindet man eher Geschaffenes, Menschenwerk, also Kultur. Karlheinz Münzner verbindet im Titel „Häuserlandschaft“ Gewachsenes und Geschaffenes, er verbindet Natur und Kultur. So verweist er auf unsere menschliche Doppelnatur. Wir sind sowohl Naturwesen wie auch Kulturwesen. Wenn wir die Natur gefährden, gefährden wir auch uns selbst.

Die Bilder von Karlheinz Münzner haben eine angenehme, beruhigende, entspannende, freundliche Wirkung. In unserer oft  schnellen, lauten, stressigen Zeit ist das ein großer Gewinn. Seine harmonischen und schönen Häuserlandschaften passen sehr gut in die harmonische und schöne Landschaft um Gut Gödelitz . Und sie schmücken den Ausstellungsort, die Alte Schäferei, einen Bau von 1792.

Diese Ausstellung wird auch bei den Veranstaltungen  am 12. April und 4. Mai zu sehen sein.