Rückblick: Veranstaltung Gut Gödelitz am 18. April 2015

Macht ohne Kontrolle – Die Troika
eine filmische Dokumentation von und mit Harald Schumann

© Harald Schumann

Harald Schmann, Journalist und Autor, Foto © Mike Wolff

Es sind einige Jahrzehnte her, da lernten Studenten der Volkswirtschaft, dass Sparen ohne Investitionen das Wachstum einer Wirtschaft lähmt. Dass Löhne, Renten und alle möglichen Bereiche der sozialen Absicherung zu kürzen, zu einer zunehmenden Arbeitslosigkeit führt und von einem Schuldenabbau keine Rede mehr sein kann. Im Gegenteil: Die Wirtschaftsleistung nimmt ab, die Schulden nehmen zu. Während der ärmere Teil der Bevölkerung in eine soziale Katastrophe schlittert, gelingt es Steuerhinterziehern und Spekulanten, ihr Geld ohne Probleme ins sichere Ausland zu transferieren.

Diese geradezu absurde Spar-Politik wurde den Ländern des europäischen Südens durch die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds aufgezwungen. Sie schickten ihre Beamten in Gestalt der Troika nach Griechenland, Spanien, Portugal und nach Irland, um den dortigen Regierungen klar zu machen, dass es ohne Strukturreformen in Gestalt von Entlassungen, Lohnkürzungen, Privatisierung staatlichen Eigentums und Deregulierungsmaßnahmen aller Art keine weiteren Kredite gibt.

Dass dies nicht funktionieren kann, sagen Wirtschafts-wissenschaftler wie der weltweit bekannte französische Ökonom Thomas Piketty, der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Paul Krugman, sowie viele andere, die nicht der Wirtschaftstheorie des Neoliberalismus anhängen. Vor allem sagt es die Wirklichkeit.

In dem Film, Macht ohne Kontrolle – die Troika, wird das alles auf eine überzeugende und auch für Wirtschaftslaien verständliche Weise dargelegt. Harald Schumann Wirtschaftsjournalist beim Berliner Tagesspiegel und Bestseller-Autor, eines der Glanzlichter des deutschen Journalismus, schrieb das Manuskript und führt fragend und kommentierend durch den Film. Ein Jahr bereisten er und sein Co-Regisseur Arpad Bondy die Krisenländer Südeuropas. Auch in Brüssel und beim Internationalen Währungsfonds in Washington fragten sie nach. Was dabei heraus kam, ist eine journalistische Spitzenleistung, wie wir sie nur noch selten erleben können. Sie ist so überzeugend, dass der Film nicht nur bei ARTE sondern zusätzlich auch bei der ARD gezeigt wurde.

Wir freuten uns, dass Harald Schumann erneut auf Gut Gödelitz unser Gast war. Gezeigt wurde eine gekürzte Version des 90-Minuten-Filmes, danach gab es Zeit für eine ausführliche Diskussion mit dem Autor.

 

Videodokumentation:

Macht ohne Kontrolle – die Troika

Presse:

Sächsische Zeitung – Macht ohne Kontrolle

 

Zur Person:
Harald Schumann wurde 1957 in Kassel geboren. Er studierte in Marburg und Berlin Sozialwissenschaften und Landschaftsplanung. Von 1984 bis 1986 war er Redakteur für Umwelt und Wissenschaft bei der Berliner Tageszeitung; wechselte anschließend in das Wissenschaftsressort beim SPIEGEL. 1990/1991 war er leitender Redakteur des Ost-Berliner „Morgen“, von 1992 bis 2004 arbeitete er wieder beim Spiegel. Von 2000 bis 2002 arbeitete er im Berliner Büro des Hamburger Nachrichtenmagazins, davon zwei Jahre als Ressortleiter Politik bei Spiegel-Online.
Aufgrund einer Auseinandersetzung mit dem Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust um eine bereits fertig abgelieferte Geschichte über die Steuerung der Energiepolitik durch die Stromkonzerne und die Bedeutung der Windenergie kam es zum Wechsel Schumanns zum Berliner Tagesspiegel. Dort ist er Redakteur für besondere Aufgaben. 2004 erhielt Schumann den Medienpreis Entwicklungspolitik. 2007 erhielt er außerdem den Gregor Louisoder-Preis für Umweltjournalismus für einen Beitrag über die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke. Seit 2005 gehört er zur Jury des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus.
Harald Schumann ist auch als Buchautor erfolgreich tätig. Zusammen mit Hans-Peter Martin schrieb er 1996 den weltweiten Bestseller „Die Globalisierungsfalle“, der inzwischen in 26 Sprachen übersetzt wurde. 1997 erhielten die Autoren dafür den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. Im vergangenen Jahr erschien „Der globale Countdown“, in dem Schumann und seine Co-Autorin Christiane Grefe die von den Globalisierungsprozessen zunehmende Abhängigkeit der Völker und Staaten untereinander und die sich daraus ergebenden Probleme thematisieren: den wachsenden Energiebedarf, die Bedrohung des Klimawandels, den Niedergang des Mittelstands und den unmittelbar bevorstehenden Kollaps des Finanzsystems. Im April 2008 erschien sein Buch, im Frühsommer begann der rasante Zusammenbruch der Weltmärkte!
Bereits im Jahr 2013 veröffentlichte Harald Schumann in der knapp einstündigen Fernsehdokumentation Staatsgeheimnis Bankenrettung die brisanten Ergebnisse seiner Recherchen, in welchen er die Profiteure der Bankenrettung herausfinden wollte und die Geheimhaltung von Zentralbanken und Politikern kritisierte. Diese Reportage die Schumann zusammen mit seinem Mitautor und Regisseur Arpad Bondy realisierte, wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis 2013 in der Kategorie „Beste Reportage“ ausgezeichnet.
Harald Schumann ist im Beirat der Gödelitzer WerteAkademie.