Von Heimat(en) und dem Dazugehören | Ausstellungseröffnung am 1. September 2018

45. Kunstausstellung des ost-west-Forum Gut Gödelitz e. V. mit Arbeiten des Radebeuler Künstlers André Uhlig
Am 1. September 2018 um 18:00 Uhr eröffnet als Vorprogramm der monatlichen Samstagabendveranstaltung Vereins ost-west-Forum Gut Gödelitz die Ausstellung mit Bildern von André Uhlig. Der Anschließende Vortrag von Petra Köpping, Sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration, widmet sich dem Thema „Aufarbeitung der Nachwendezeit: Wertschätzung und Anerkennung der Lebensleistungen und Schicksale der Menschen im Osten”.

 

Landschaftsbild in Erdtönen mit einem Haus im Wald.

Böhmische Schweiz (Kaffee/Kohle/Aquarell; 48 x 33 cm)

Der 1973 in Dresden geborene André Uhlig hat eine ungewöhnliche Biografie: Weder akademische Ausbildung, noch Autodidakt. Er hat sich seine Lehrer gesucht, ist bei ihnen in die Lehre gegangen, hat Einzelunterricht genommen. So ähnlich wie vor Jahrhunderten, als es noch keine Kunstakademien oder Kunsthochschulen gab. Man ist zu einem Meister in die Lehre gegangen, hat dort den Beruf eines Malers erlernt.

 

Was ist der Künstler André Uhlig eigentlich von Beruf? Er ist Maler. Er ist Grafiker. Er ist gelernter Drucker. Er ist Musiker und Sänger. Er ist Lehrer für das Drucken. Er unterrichtet Gitarre und Ukelele. In all diesen Bereichen ist er freischaffend tätig. Oft arbeitet er in mehreren von ihnen geleichzeitig. Seit 2009 gehört er zum Künstlerbund Dresden. 2011 eröffnete er in Radebeul in Gemeinschaft mit der Theatermalerin Birgit Köhler ein Atelier. Arbeiten von ihm waren bereits auf zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zu sehen, vor allem in Radebeul, Dresden und Meißen.

In der Alten Schäferei des Gutes Gödelitz zeigt André Uhlig Bilder von Landschaften und Bäumen, von dörflich wirkenden Häusern, von Kirchen und Brücken. Es handelt sich vorwiegend um Motive aus Radebeul, Dresden, dem Elbsandsteingebirge und dem nahen Böhmen. Man sieht Malereien und Grafiken. Manche Malereien wirken etwas grafisch, Linien und Konturen sind wichtig. Manche Grafiken wieder wirken malerisch, vor allem die Mischtechniken mit ihrer weichen Linienführung und den Übergängen. In den Bildern kann man sehen, dass André Uhlig mit seinem Geburtsort Dresden und seinem Wohn- und Arbeitsort Radebeul eng verbunden ist. Er hat einen Blick für die Schönheiten in der Natur, für das Schöne in seiner Umgebung. Er mag das Dörfliche, das Gewohnte, das Beständige. Er weiß um die Vergänglichkeit und möchte Schönes vor dem Verfall bewahren.

Kohlezeichnung eines Weinberges

Winter im Weinberg (Kohle auf Flies; 220 x 200cm)

Bei einem Ateliergespräch hat der Kurator der Ausstellung, Prof. Dr. Wendelin Szalai, mit ihm über seine enge Bindung und sein Wohlfühlen in den Nahräumen Radebeul, Dresden, Sächsische Schweiz und Böhmen gesprochen, über sein Dazugehören zu dieser Landschaft und zu den Leuten. Zwangsläufig sind die beiden dann auf das Thema „Heimat“ gekommen. Auf Szalais Frage, was und wo für ihn Heimat ist, hat er geantwortet: „Heimat ist für mich natürlich dort, wo ich lange Zeit lebe, also Radebeul. Heimat ist für mich überall dort, wo ich mich wohlfühle, wo ich kreativ sein kann, zum Beispiel auch Böhmen und Indien.“

Die beiden haben davon geredet, dass und warum das Thema Heimat zur Zeit so in der öffentlichen Diskussion ist: Deutschlandweit wahrscheinlich wegen der Migrations- und Flüchtlingsprobleme. In den neuen Bundesländern zusätzlich wegen Schwierigkeiten mit der inneren Einigung, mit dem Zusammenwachsen von West und Ost, mit einer differenzierten Sicht und Wertung der DDR-Zeit. Zu seinen Erinnerungen an 16 Lebensjahre in diesem Land hat André Uhlig gesagt:

„Die DDR war für mich meine Kindheit. Und die war für mich fast immer sehr positiv und unbeschwert, so dass ich sagen kann: Ich erinnere mich sehr gern an diese Zeit und will diese Ostalgie auch gerne weitergeben. Klar gab es politische Sachen, die mir überhaupt nicht gefallen haben und auch Grenzen. Aber diese Unbeschwertheit und Begrenztheit hatte auch gute Seiten für mich und andere. Wir konnten kreativ was daraus machen.“

Portraitfoto von André Uhlig

André Uhlig. Foto: Markus Retzlaff.

Das Thema dieser Ausstellung „Von Heimat(en) und dem Dazugehören“ passt gut zu den Ansichten und Absichten des Vereins ost-west-forum Gut Gödelitz, denn es ist ein Gründungsziel unseres Bürgervereins, den Langzeitprozess der inneren Einheit unseres äußerlich schnell und friedlich geeinten Deutschlands aktiv und vielfältig zu befördern. Die Arbeiten von André Uhlig laden ein zum Verweilen, zum Freuen und zum Nachdenken, zum Nachdenken über Natur, ihre Schönheit, ihre Gefährdung, ihren Schutz, zum Nachdenken über den Wert von Heimat, über das Leiden an Heimatverlust, über die mögliche Beheimatung an einem anderen Ort und in einem anderen Land.