„WAHRNEHMEN“ 51. Kunstausstellung des ost-west-forum Gut Gödelitz mit Arbeiten des Malers BERTHOLD GRAHL

Eröffnung am Montag (!), dem 6. Juli 2020  um 19:00 Uhr(!) in der Alten Schäferei von Gut Gödelitz

Laudatio: Prof. Dr. Wendelin Szalai

Berthold Grahl in einem Malkurs (© B. Grahl)

Berthold Grahl ist 1943 in Plauen geboren. Kindheit und Schulzeit hat er in Siebenlehn bei Freiberg verlebt. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählte bereits damals das Zeichnen und Malen in freier Natur. Seine Zeichenlehrer ermutigten ihn. Berthold Grahl machte zunächst eine Berufsausbildung als Rinderzüchter mit Abitur. Dann folgte im heutigen Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, ein Lehrerstudium  für Mathematik und Physik. Im Jahr 1969 begann er als Lehrer in Höckendorf  zu arbeiten. Neben Mathematik und Physik unterrichtete er auch Astronomie und Kunsterziehung.

Seit einem halben Jahrhundert lebt Berthold Grahl in Höckendorf. Ebenso lang ist er verheiratet. In all den Jahren ist er seiner Lieblingsbeschäftigung aus der Schulzeit treu geblieben. Seine Freizeit gehörte dem Malen.

Schrittweise ist dieses Hobby zu einem zweiten Beruf. Auf diesem Weg waren für ihn einige Künstler und Kunstfreunde Vorbild, Förderer und Berater. So der Maler und Grafiker Johannes Zepnick. Ein schöner Zufall: Unsere 1. Gödelitzer Kunstausstellung ist im Dezember 2006 mit Arbeiten von Johannes und Regina Zepnick eröffnet worden. In unserer 51. Ausstellung sind nun Arbeiten eines seiner „Schüler“ zu sehen. Dieser ist inzwischen autodidaktisch zu einem anerkannten und erfolgreichen Maler geworden. Bilder von Berthold Grahl waren bereits auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen, so in Freiberg, Siebenlehn, Hainichen, Dresden, Dippoldiswalde, Schönebeck, Zensig bei Königs Wusterhausen, und natürlich in Höckendorf.

Jetzt kommt Gödelitz dazu. Hier zeigt der Maler Landschaftbilder, Blumenbilder und Stillleben, in Aquarell und mit Ölfarben. Als Überschrift für seine Internet-Webseite und damit als Hauptmotiv seines künstlerischen Schaffens wählt Berthold Grahl ein Zitat von Leonardo das Vinci: „Wieviel Schönheit erblickt das Herz durch die Augen.“

Strand in Binz (© B. Grahl)

Was verraten die Schlüsselbegriffe  Schönheit, Herz und Augen über Berthold Grahl? Er liebt die Schönheit und möchte sie in seinen Bildern sichtbar machen. Er hat für Schönheit ein besonderes „Auge“. Er  nennt es „Wahrnehmen“. Das Wort „Herz“ verweist darauf, wie wichtig für ihn das Emotionale ist, die Empfindungen, Stimmungen und Gefühle. Die meisten Motive für seine Landschafts- und Blumenbilder  findet Berthold Grahl in Höckendorf und Umgebung. Mit seinem Malwagen Marke Eigenbau ist er zu unterschiedlichen Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Tageszeiten unterwegs. Seine Eindrücke, die jeweiligen Stimmungen, hält er in Bildern fest, meist als Aquarell.  Nach einer kurzen Vorzeichnung malt Berthold Grahl ein Bild meist gleich in der Natur fertig. Das von den Wasserfarben noch feuchte Blatt trocknet oft erst zu Hause im Atelier. Für stärker strukturierte Motive und Stimmungen verwendet er bewusst Ölfarben.

Dorfkirche Höckendorf , 50 x70 cm, Aquarell (© B.Grahl)

Charakteristisch für Berthold Grahl ist seine stimmungsvolle,  luftige Freilichtmalerei. Ich habe den Künstler gefragt, was ihm bei diesem schnellen Malen vor dem Motiv durch den Kopf geht, woran er denkt. Seine Antwort war kurz und eindeutig: „Das Einzige, woran ich beim Malen denke ist: Setz dich mal genau hier hin, das ist genau der richtige Moment, genau die Stimmung, die du einfangen möchtest. Und jetzt zügig! Denn ich weiß, wie rasch sich mit dem sich ständig veränderten Tageslicht die Landschaft verändert.“ Die Bilder mit Motiven aus Höckendorf und Umgebung können ein  angenehmes Gefühl auslösen, ein Empfinden von Vertrautheit und Harmonie. Leicht kommen einem die Begriffe Heimat und Heimatliebe in den Sinn.  Auf meine Frage, was und wo für ihn Heimat ist, hat Berthold Grahl so geantwortet: „Heimat lässt sich überall da finden, wo man als Mensch wahr genommen wird, wo man sich einbringen kann. Ich fand in Höckendorf eine liebenswerte Frau, einen mich erfüllenden Beruf. Konnte hier eine Familie gründen, ein Häuschen nach eigenen Vorstellungen und Wünschen mit der Hilfe vieler um und ausbauen. Ich war in Höckendorf angekommen und bin seit 50 Jahren gerne immer noch hier.“

Gladiolen, 50 x70 cm, Aquarell (© B. Grahl)

Blumen sind für die meisten Menschen ein Ausdruck von und ein Zeichen für Schönheit, Liebe und Freude. Ganz ähnlich wirken die schönen Blumenbilder von Berthold Grahl. „Schönheit“ ist ja ein vieldeutiger Begriff. Auf meine Frage, was in seinen Augen Schönheit ist, hat er mit einem Erlebnis geantwortet: „Als ich zum ersten Male mit meinen ,, Dienstagsmalern“ raus in die Natur bin, blickten sie sich ziemlich ratlos um! ,,Was gibt es denn hier zum Malen?“. Dabei hatte ich sie nach meiner Ansicht zu einer besonders reizvollen Stelle geführt!

Ja, das hier war keine Postkarte mit einem klar umrissen Format, das man versucht, Eins zu Eins abzukupfern, stundenlang, bis das ,,eigene Bild“ zur Bewunderung aller wie fotografiert aussieht. Hier muss man entscheiden, was hebe ich heraus, was lass ich weg, was muss sich dem Anderen unterordnen. Wie kann ich alles zu einem Bild werden lassen, das diese Bezeichnung verdient, und das alles eher aus einem Gefühl heraus. Schönheit ist für mich nichts an der Oberfläche, nichts Aufgesetztes Mutwilliges, sondern sie muss von innen heraus kommen und wahrhaft sein!“

Astern, Aquarell (© B. Grahl)

Der ehemalige Lehrer und heutige Maler Berthold Grahl ist aber auch Lehrer geblieben, ein Kunsterzieher im besten Wortsinn: Mit Stolz hat er mir bei einem Atelierbesuch von seinen „Dienstagsmalern“ erzählt. Das sind interessierte Frauen und Männer, die sich regelmäßig in Höckendorf treffen, um unter seiner Anleitung und Beratung zu malen. Auch in seinem Geburtsort Plauen hat er Aquarellkurse gegeben. Und aus Plauen kommen Interessenten nach Höckendorf zu seinen Malkursen. Die Ausstellung mit den naturnahen und stimmungsvollen Bildern von Berthold Grahl passt gut in die Alte Schäferei von Gut Gödelitz.

Verschneiter Waldweg, 50 x70cm, Aquarell (© B. Grahl)
Verschneiter Waldweg, 50 x70cm, Aquarell